Vita

1968 geboren in Dresden

lebt und arbeitet in Dresden

Ausbildung zum Tischler

Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

Beschäftigung mit Fotografie (insbesondere mit analoger s/w Fotografie) und Holzgestaltung

seit 2008 Werkstatt in Radebeul

2009-2012 Basisstudium Bildhauerei in der Bildhauerhalle Bonn bei Paul Advena

2009 Einzelausstellung „kleine Galerie“, Dresden

2010 Gemeinschaftsausstellung „Galerie Adler“, Kulturforum „riesa efau“ Dresden

2011 Teilnahme Jahresausstellung Basisstudium Bildhauerhalle Bonn

2012 Abschlussausstellung Basisstudium Bildhauerei Bildhauerhalle Bonn

2013 Teilnahme an den KlangKunstHöfen Bärwalde

2014 Jahresausstellung Bildhauerhalle Bonn

2015 Teilnahme am Spreewaldatelier Lübbenau

2016 Teilnahme an der Internationalen Dresdner Sommerakademie

2017 Teilnahme am Internationalen Holzbildhauer Symposium Brienz/ Schweiz
         Teilnahme am internationalen Kunstprojekt: „Säulen der Freiheit“
         Teilnahme an den KunstTagen in der Abtei Brauweiler

2018 Teilnahme Sinneswald Leichlingen

 

Über meine Herangehensweise

Die schöpferische, bildhauerische Auseinandersetzung steht im Gegensatz zu meiner eher verkopften, problemzentrierten Arbeit als Sozialpädagoge. Sie spricht andere Seinsebenen des Lebens an und verhilft mir zu einer Balance. Als Bildhauer arbeite ich sowohl mit abtragenden als auch mit aufbauenden Verfahren. Momentan beschäftige ich mich vorrangig mit den Materialien Wachs/ Bronze und Holz.

Als gelernter Tischler habe ich eine besondere Verbindung zum Werkstoff Holz. Holz ist mein Element: lebenspendend, nachwachsend, gut formbar. „Seit Urzeiten hat sich die Geschicklichkeit der menschlichen Hand an der Arbeit mit Holz entwickelt, so sehr, dass man sagen kann: Die Beziehung zum Holz gehört zur menschlichen Natur; die Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz ist ein Grundelement der menschlichen Körpergeschichte ebenso wie der Geschichte menschlicher Kunstfertigkeit.“ Joachim Radkau¹

Ich arbeite sowohl aus dem Stamm heraus, als auch mit von mir vor geleimten Holzquadern, die ich im Schaffensprozess variabel verändern kann. Ich kann also an der werdenden Skulptur jederzeit „anbauen“. Für meine „fliegenden“ Skulpturen ist auch die Masse ein gewichtiges Argument und so verwende ich derzeit hauptsächlich Pappelholz. Durch Holzverbindungen wie Zapfen oder Verschraubungen können die Skulpturen zu raumgreifenden Objekten anwachsen.

Das Holz bearbeite ich mit der Kettensäge, dem Werkzeug des Waldarbeiters. Für mich ist es ein Werkzeug, welches den Zeitgeist gut zum Ausdruck bringt: es ist effektiv, laut, aggressiv, häufig schneller als menschlich gesteuerte Vernunft. Nicht, dass diese Merkmale damit unhinterfragt hingenommen werden sollen. Im Schaffensprozess beschäftigen mich vielmehr die Gegenpole wie Entschleunigung und Rückzug. Mich dieser Polarität auszusetzen betrachte ich als einen schöpferischen Ansatz. Bei der Feinmodelllage setzt die Kettensäge eindeutige Grenzen, dies führt zwangsläufig zur Reduktion und Abstraktion. Die Werkspuren der Kette geben eine eigene Oberfläche, eine expressive Landschaft, eine mechanische Textur.

Der Farbauftrag auf meinen Skulpturen entwickelte sich aus dem Schaffensprozess heraus. Das grobe Anzeichnen mit farbigen Wachskreiden ging in flächiges Markieren und Bestreichen mit Acrylfarbe über, um dem Volumen besser nachspüren zu können. Holz, bestehend aus Zellulose, einem Grundstoff zur Papierherstellung nimmt die Farbe ideal auf und harmoniert mit ihr. Das Auftragen der Farbe wechselt mit dem Abtragen des Holzes, bis sich ein Zustand einstellt, welcher auf mich stimmig wirkt. „Diese Beschäftigung mit der Farbe mag richtig oder nicht richtig sein. Ich weiß es nicht. Doch was ich bestimmt weiß, ist, dass es mir gefällt. Die Skulptur an sich ist etwas Ernstes, Strenges, die Farbe dagegen ist heiter. Ich möchte, dass meine Skulpturen heiter und lebendig sind. Farbe auf der Skulptur lenkt zwar ab. Aber – warum auch nicht.“ Germaine Richier²

Auf der Suche nach Formen erkunde ich mir bewusste oder am Rande des Bewusstseins stehende Emotionen. Empfindungen zu kanalisieren und diesen Gestalt zu geben, sich auf eine offene, nicht zielorientierte Reise einzulassen und den Dingen im Entstehungsverlauf nachzuspüren, erlebe ich immer wieder als einen spannenden Prozess. Diesem Raum zu geben, eine größere Wachheit zu entwickeln, um dem inneren Widerhall nachzuspüren, aufmerksam den Ablauf zu verfolgen, sich punktuell aus diesem herausziehen und die Arbeitsstände auf sich wirken lassen, ist für mich ein faszinierender, künstlerischer Lernprozess. Zum rechten Moment den Schaffensprozess zu beenden, Strukturen unfertig stehen zu lassen, wenn sie noch offen, kraftvoll, ja auch widersprüchlich wirken, … das sind Punkte die mich herausfordern und reizen, diesen begonnenen Weg weiterzugehen.

¹ Radkau, Joachim: Holz, München 2008; S. 19

² Lammert, Angela Hrsg.: Germaine Richier, Wienand 1997; S. 19